Usbekistan – ein Reisebericht

Ein Aufklärer kann nicht immer wissen, welche Absicht die übergeordnete Führung im Einzelfall hat – wünschenswert ist es jedoch. Da wir aber immer unser Handeln anhand der übergeordneten Führung ausrichten, gelingt es uns meistens zum Erfolg einer Operation beizutragen. Es liegt in unserer Natur, sich einer Situation anzupassen, zu improvisieren und sich zu adaptieren – so wie bei der Dienstreise des Generals der Heeresaufklärungstruppe, Oberst Malzahn in das ferne Usbekistan.

Vom 27. bis 31. August 2018 besuchte eine kleine Delegation unter der Führung Oberst Malzahns die usbekischen Streitkräfte mit dem Schwerpunktthemengebiet „Aufklärung“. Das Programm wurde vom Deutschen Militärattaché in Usbekistan hervorragend begleitet, der ebenfalls ein Aufklärer unserer Truppengattung war. Mit der Hauptstadt Tashkent und den zeitgleich stattfindenden Vorbereitungen für den Nationalfeiertag Usbekistans, zeigten sich das Land und die Menschen im strahlenden Glanz Zentralasiens.

Die Gemeinsamkeiten wurden schnell sichtbar, und der Umgang mit den usbekischen Gastgebern war sehr herzlich und von Offenheit geprägt.

Auf dem Programm stand ein Besuch in der beeindruckenden Verteidigungsakademie mit Fachgesprächen im kleinen Kreis und Vorträgen im großen Kreis. Als Hauptansprechpartner war der Stellvertretende Generalstabschef und Chef des Inlandsgeheimdienstes, Oberst Ikramov, für uns verantwortlich.

Schnell wurde klar, hier reden Profis mit Profis, die wissen was sie wollen. Eine sehr angenehme Atmosphäre in der wir zu jeder Zeit fachlich kompetent und fürsorglich betreut wurden. Der Schwerpunkt bildete ein 3-stündiger Vortrag unserer Delegation zum Thema „Heeresaufklärungstruppe“ gegenüber den Schulen der Streitkräfte Usbekistans – per Livestream! Wie gesagt, innovativ und kompetent!
Abends wurde bei einem traditionellen Abendessen das weitere Vorgehen in Bezug auf eine mögliche Zusammenarbeit besprochen. Hier zeigte unser Gastgeber sich als feinfühliger und zielstrebiger Aufklärer und Offizier. Die Gemeinsamkeiten wurden beim obligatorischen Anstoßen mit Wodka zelebriert und Geschichten und Anekdoten über das Aufklärertum zum Besten gegeben.
Am Folgetag wurden wir zum nahegelegenen Ausbildungs- und Übungsplatz gebracht, um dort eine exklusive Vorführung im Bereich der Teamausbildung zu sehen.

Wir wurden Zeugen einer hervorragenden Ausbildungsschau des Luftlande-Aufklärungs-Bataillons der usbekischen Streitkräfte. Im Rahmen einer sorgfältig geplanten und durchgeführten Stationsausbildung im Verbandsrahmen, konnten wir Themen wie „Belastungsparcour im Halbtrupp inkl. scharfer Schuss“, „Versteckausbildung der Gruppe“ sowie „Handstreich einer Spähgruppe auf ein Feindliches Lager“, beobachten.

Hier zeigte sich, dass die Grundsätze der Ausbildungslehre der Bundeswehr bis ins Tiefe Usbekistan vorgedrungen waren. Man möchte meinen, dass unsere Irrwege der Ausbildung in der Bundeswehr hier bestätigt wurden. Es galt und gilt: Das Einfache hat Erfolg!

Es blieb natürlich ebenfalls Zeit, die mannigfaltige Kultur des Landes zu bestaunen, die eine Verschmelzung der eurasischen, orientalischen und asiatischen Traditionen beinhaltet. Uralte muslimische Bauwerke eingebettet in einem aufstrebenden Land. Es hat sich gelohnt – der Besuch! Die Zusammenarbeit wird von beiden Seiten zukünftig vertieft. Als nächstes steht ein Gegenbesuch bei uns an der Heeresaufklärungsschule an. Hier wurde die Messlatte durch die Usbeken schon sehr hoch gesetzt – aber wir wären nicht Aufklärer, wenn wir nicht ebenfalls etwas zu bieten hätten.

Horrido!

2018-09-28T07:38:10+00:00